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Treuhänderschaft (Trust)

Die Treuhänderschaft nimmt die Stellung eines «Trust Settlement» oder «Family Trust» des englischsprachigen Rechtskreises ein. Wer seine privaten oder geschäftlichen Interessen im Bereich des «Common Law» hat, setzt mit Vorteil die in diesen Ländern bekannte Institution des Trusts anstatt der dort wenig bekannten Stiftung ein. Im Gegensatz zu den anderen Rechtsformen besitzt die Treuhänderschaft keine eigene Rechtspersönlichkeit.

Treuhänder (Trustee) ist, wer von einer anderen Person (Treugeber, Settlor) einen Vermögenswert (Trust Fund) mit der Verpflichtung übertragen erhält, diesen als Treugut im eigenen Namen zu Gunsten eines Dritten oder mehrerer Dritter (Begünstigte, Beneficiaries) mit Wirkung gegen jedermann zu verwalten. Treuhänderschaften sind vielseitig einsetzbar, zum Beispiel für wohltätige, familiäre, soziale, kulturelle oder ähnliche Zwecke.

Die Treuhänderschaft entsteht mit der Erstellung einer Treuhandurkunde. Sie regelt die Beziehung zwischen Treugeber, Begünstigten und Treuhänder sowie weitere Einzelheiten der Treuhänderschaft und ist deshalb meistens umfangreich. Sollte dennoch etwas nicht geregelt sein, kann auf das Gesetz zurückgegriffen werden.

Die Treuhänderschaft muss im Handelsregister eingetragen sein, oder es muss dort die Treuhandurkunde hinterlegt werden. Bei einer Anmeldung zur Eintragung müssen nur das Datum der Errichtung, die Bezeichnung der Treuhänderschaft, die Dauer und die Treuhänder angegeben werden. Nicht notwendig ist hingegen die Vorlage der Treuhandurkunde. Daher ist die eingetragene Treuhänderschaft diskreter als die hinterlegte.

Treugut können zum Beispiel Bankguthaben, Wertschriften, Versicherungspolicen, Lizenzrechte, Markenrechte, Beteiligungen oder Immobilien sein. Treugeber kann jeder sein, auch eine juristische Person. Dabei spielt der Sitz respektive Wohnsitz keine Rolle. Nach Errichtung steht dem Treugeber das vorher besessene Treugut nicht mehr zur Disposition; nur der Treuhänder kann nun darüber verfügen. Dieser hat aber die Bestimmungen der Treuhandurkunde strikt zu befolgen. Der Treuhänder kann die Vermögensverwaltung an Banken oder Dritte delegieren.

Begünstigte der Treuhänderschaft sind diejenigen Personen, denen ein Vorteil aus der Treuhänderschaft zusteht. Zu den Begünstigten kann auch der Treugeber gehören, nicht jedoch ausschliesslich der Treuhänder selbst. Als Begünstigte kommen ebenfalls natürliche und juristische Personen sowie andere Institutionen in Frage.

Eine Treuhandurkunde kann abgeändert werden, wenn dies darin vorgesehen ist. In der Treuhandurkunde festgehalten ist die Zeitdauer der Treuhänderschaft. Diese kann unbeschränkt sein. Im Gegensatz zum anglo-amerikanischen Rechtskreis («Rule against Perpetuity») ist dies nach liechtensteinischem Recht ausdrücklich zulässig. Das Recht zur Auflösung der Treuhänderschaft steht in der Regel dem Treuhänder zu.