Tremaco

Die Anstalt

Die Anstalt ist eine Rechtsform, die ausschliesslich in Liechtenstein vorkommt. Sie ist flexibel in Bezug auf die Ausgestaltung von Statuten und Organisation. Mit ihr werden Vermögenswerte oder Beteiligungen an Unternehmen strukturiert. Aufgrund ihrer Flexibilität ist sie vielseitig einsetzbar.

Die liechtensteinische Anstalt ist nicht identisch mit den im Ausland bekannten öffentlich-rechtlichen Anstalten. Die liechtensteinische Anstalt ist eine Rechtsform des Privatrechtes. Sie ist eine juristische Person. Dabei bildet der Gründer oder dessen Rechtsnachfolger (Inhaber der Gründerrechte) das oberste Organ. Die Gründerrechte können vererbt oder unter Lebenden mittels Zession übertragen werden.

Das Mindestkapital beträgt CHF 30‘000.–. Für die Schulden haftet lediglich das Anstaltsvermögen. Die Begünstigten werden in einem Beistatut festgehalten. Sollte eine solche Regelung fehlen, besteht die gesetzliche Vermutung, dass der Inhaber der Gründerrechte selbst Begünstigter ist. Dieser wählt den Verwaltungsrat, erteilt ihm Entlastung, veranlasst allfällige Änderungen der Statuten und beschliesst die Liquidation der Anstalt. Herauszustreichen ist seine Kompetenz zum Erlass von Beistatuten und zur Beschlussfassung über die Begünstigten und deren Begünstigungen.

Die Geschäfte werden vom Verwaltungsrat geführt. Dieser vertritt die Anstalt nach aussen und ist zeichnungsberechtigt.

Die oben beschriebene Anstalt mit Gründerrechten ist die häufigste Art der liechtensteinischen Anstalt.

Die Anstalt ohne Gründerrechte ist eine weitere Ausgestaltungsform. Sie ist stiftungsähnlich ausgeprägt. Mit den Befugnissen des obersten Organs (Inhaber der Gründerrechte) wird dabei der Verwaltungsrat betraut, Gründerrechte existieren nicht. Deshalb gibt es auch keine Beaufsichtigung des Verwaltungsrates durch ein oberstes Organ. Es kann jedoch ein Protektor dafür eingesetzt werden.

Die Anstalt «mit untergehenden Gründerrechten» bildet eine Mischung aus der Anstalt mit Gründerrechten und der Anstalt ohne Gründerrechte. Dabei gehen die bei der Gründung entstandenen Gründerrechte zu einem in den Beistatuten festgelegten Zeitpunkt – zum Beispiel beim Tod des Gründerrechtsinhabers – unter. Dadurch erlangt diese Form der Anstalt zu einem im Voraus definierten Zeitpunkt stiftungsähnlichen Charakter.

Die Einsetzung einer Revisionsstelle ist bei allen drei Arten obligatorisch, wenn die Anstalt ein nach kaufmännischer Art geführtes Gewerbe betreibt oder deren statutarischer Zweck dies zulässt. Die Buchhaltung der Anstalt wird von der Revisionsstelle geprüft, und die Anstalt ist verpflichtet, der Steuerverwaltung eine Jahresrechnung zukommen zu lassen.

Wird kein nach kaufmännischer Art geführtes Gewerbe betrieben, bestehen lediglich minimale Deklarationspflichten gegenüber den Behörden.